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Klingt das „Wir“ nicht schön?

16 Jul

Charlotte heiratet. Zwei Worte, ein einfacher Satz. Der doch so viel mehr bedeutet für die Menschen, die Charlotte schon länger kennen, ungefähr ihr halbes Leben. Denn Charlotte war keins von den Mädchen, die schon im zarten Teeniealter von Mr. Right und einer Hochzeit in Weiß geträumt haben. Charlotte glaubte mehr an das Leben als an die Liebe. Und wie meistens im Leben kam natürlich alles anders.

Charlotte wollte die Welt sehen. Und das hat sie. Von ihrem Heimatort in die Großstadt war es schon ein mutiger Schritt, es folgten Singapur, Hawaii, Paris. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Hannover, für manche die langweiligste Stadt Deutschlands, eine so große Rolle in Charlottes kosmopolitischem Leben spielen würde? Und das kam so:

Das Studium war beendet. Doch Charlotte hatte ihren Wissensdurst noch nicht gestillt und konnte sich nicht mit dem Gedanken an einen geregelten Arbeitsalltag anfreunden. Also ein MBA-Studium in Paris. Eine Stadt, die alles verspricht. Und doch war es das Auslandspraktikum in Hannover, mit dem diese Liebesgeschichte ihren Lauf nahm.

Charlotte war bei zwei charmanten jungen Herren in einer WG untergekommen. Kontakt- und amüsierbedürftig wie eh und je nutzte sie alle Möglichkeiten, um unter die Leute zu kommen. Ihre beiden Mitbewohner Dirk und Andreas leisteten hierzu ihren Beitrag, genauso wie die Kollegen beim Praktikum, doch das reichte Charlotte nicht. Neue Leute mussten her. Und so landete Charlotte auf Empfehlung – war es von Dirk oder von Andreas? – auf einer Internetseite, die genau das möglich machte. Kontakte. Ein Flirt, ein Freund fürs Leben, die große Liebe? Alles sollte möglich sein. Einfach, effizient, anonym. Aber gesellschaftsfähig? Charlotte entschied, ihre Aktivitäten im Netz zunächst für sich zu behalten. War es denn gelogen zu behaupten, diese Kontakte seien über Dirk und Andreas entstanden? Seien wir nicht kleinlich.

Jonas, seinerseits auf der Suche nach Kontakten außerhalb des Job-Universums, hatte Charlottes Profil auf besagter Internetseite bereits entdeckt und schickte der netten jungen Dame eine höfliche Nachricht. Als Charlotte diese öffnete und sich Profil und Foto des Absenders ansah, setzte erstes Herzflattern ein. Und es hat bis heute nicht aufgehört.

Jonas staunte nicht schlecht, als Charlotte ihm bereits in ihrer ersten Antwort vorschlug, sich bald auf ein Glas Wein zu treffen. Virtuelle Kontakte seien nicht ihr Ding. Die Dame weiß, was sie will, mag er gedacht haben. Recht hatte er.

Nachrichten gingen hin und her. Erste Sympathie war vorhanden, Aufregung und Kribbeln eingeschlossen. Das erste Date stand bevor – immer ein Grund, nervös zu sein. Charlotte fuhr sogar mit der Bahn durch die halbe Stadt, um die ihr bekannten Wege nicht verlassen zu müssen und rechtzeitig in der von Jonas vorgeschlagenen Bar einzutreffen. Sie fand einen telefonierenden Jonas in Businesskleidung vor. Spießer, mag sie gedacht haben, aber sie beschloss intuitiv, ihm eine Chance zu geben. Eine gute Entscheidung: Die Bar schloss in dieser Nacht hinter Charlotte und Jonas die Türen ab. Es gab viel zu besprechen. Beide wussten: Es sollte nicht bei diesem einen Abend bleiben.

Weitere Treffen folgten. Jonas gab Charlotte einige Rätsel auf und war für sie so gar nicht zu durchschauen. Die Zeit mit ihm war wunderbar und schon bald zeichnete sich um den Namen Jonas in ihrem Kopf ein kleines Herz. Doch wollte er sie wirklich? Wollte er nur ein guter Freund sein? Aber gute Freunde schreiben doch nicht solche SMS…

Charlotte beschloss, in die Offensive zu gehen. Der Mc Donald’s in der Innenstadt von Hannover hat sicher niemals eine solch liebevolle Tischdekoration gesehen wie an jenem Frühlingsabend, als Charlotte sich bei Jonas für einige schöne Einladungen und Abende bedanken wollte. Der Wein, die Gläser, die Kerzen sprachen für sich. Und spätestens als Jonas, von Charlotte in ihrer unnachahmlichen Art unschuldig und unauffällig in das Obergeschoss der Mc Donald’s-Filiale gelotst, die Überraschung entdeckte und mit Charlotte an diesem ganz besonderen Tisch Platz nahm, wurde aus dem Kreis, der in seinem Kopf bereits um Charlottes Namen gezogen war, mit einem kleinen *plopp* ein zartes Herz.

So fangen große Liebesgeschichten an. Der Abend endete mit einem knieerweichenden Kuss im Taxi vor Charlottes Haustür. Charlotte war der glücklichste Mensch von Hannover. Die Welt stand still. Das Herzflattern zog bis in die Ohrläppchen und die kleinen Zehen. Und es hat bis heute nicht aufgehört.

Was dann folgte, war der Anfang von etwas Großem. Zum ersten Mal konnte Charlotte sich vorstellen, ihr Leben mit einem anderen Menschen zu teilen. Ihr ganzes Leben. Aus der Vorstellung wurde ein Wunsch, und der Wunsch wurde stärker. Schon bald teilten die beiden Wohnung, Auto und Zukunftspläne. Mittlerweile sind es ein Haus mit Garten, ein kleiner Fuhrpark und eine gemeinsame Geschichte. Am 6. September heiraten zwei Menschen, die zusammen gehören. Aus zwei „Ichs“ wird ein „Wir“. Kann es etwas Schöneres geben?

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