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Barfuß im Beach Club

21 Mrz

Montag

Es hat meistens einen Grund, wenn ich ohne Hilfsmittel im Urlaub vor 10 Uhr wach bin – im Sinne von: WACH, nicht: kurz mal blinzeln, umdrehen, weiterschlafen. Heute ist es die in 3-Sterne-Hotels übliche Geräuschkulisse aus Türenknallen und von Gesprächsfetzen begleitetem Getrappel. Unser Schlafzimmerfenster ist weit geöffnet, hinter der Terrasse befindet sich einer der besagten langen Gänge, der von den ersten Frühstücksgästen frequentiert wird. Frische Luft hat eben ihren Preis. Meine nächtlichen Visionen von durch die wehenden Gardinen tretenden Eindringlingen waren sicher nur eine vorübergehende Erscheinung dieser ersten Nacht in neuer Umgebung. Die Sonne scheint, draußen wartet das Meer. Überflüssig zu erwähnen, dass das Frühstücksbuffet (Automatenkaffee und eine Flüssigkeit, die farblich an Orangensaft erinnert…) und der Ausblick auf den Kreisverkehr bei Tageslicht nicht weiter der Rede wert sind. Wir machen uns auf den Weg nach Playa Amadores. Der Strand ist hier zwar künstlich aufgeschüttet, aber dementsprechend feinsandig und sehr schön geschützt gelegen. Wenn wir auf das Wasser schauen, stören die hinter uns liegenden Hotelbunker gar nicht weiter.

Und es wird noch besser. Verscheucht von der kanarischen Liegenmafia spazieren wir am Strand entlang zum anderen Ende der Bucht. Hier liegt der Beach Club Playa Amadores – die gepolsterten Doppelliegen einschließlich Strandlaken und Sonnenschirmen in der hübschen Gartenanlage sehen derartig verlockend aus, dass wir hier sofort unser Lager für die nächsten Stunden aufschlagen. Kaffee, kühle Drinks und Leckereien werden serviert, ohne dass wir die Waagerechte verlassen müssen. Einzig die Ausrichtung des Sonnenschirms und ein Abstecher ins kühle Nass veranlassen uns zu Bewegungen, die über das Anwinkeln des Unterarms hinausgehen. Das ist Urlaub, wie er sein soll.

Gegen Nachmittag werden wir unternehmungslustig und verlassen unser Luxuslager – 20 Euro werden allein für die Nutzung der Doppelliege berechnet, doch das war es uns allemal wert. Wir fahren weiter nach Maspalomas an der Südspitze der Insel. Hier gibt es – Überraschung – sehr viele Hotels, Gelegenheit zum Shoppen und die berühmten Dunas de Maspalomas. Wir durchqueren die Gartenanlage des Lopesan Costa Meloneras Resorts und bereuen in diesem Moment aus tiefstem Herzen, dass wir nicht der Empfehlung des tuntigen Eppendorfer Reiseverkehrsfachmannes gefolgt sind, der uns, selbstverständlich für einige Hundert Euro mehr, in diesem beeindruckenden Hotel unterbringen wollte. Der riesige, von Palmen gesäumte Pool scheint sich am Horizont mit dem Meer zu vereinen. Gefangen von diesem Anblick, bleibe ich eine Weile stehen, beobachte fasziniert die aus dem glitzernden Wasser ragenden Köpfe und verdränge jeden Gedanken an unsere terrassenförmige Unterkunft am Kreisverkehr. Dieser Pool ist dazu bestimmt, dass ich in ihm schwimme, so viel steht fest.

Die Dünenlandschaft betrachten wir nur im Vorbeigehen, die heutige Sonnendosis war für mich blondes Nordlicht schon sehr großzügig bemessen. Zurück in Puerto de Mogán, kühlen wir uns in einem der drei Hotelpools ab und schwimmen ein paar Bahnen. Unnötig zu erwähnen, dass dies mein Verlangen nach einem Bad im Pool meiner Träume nur verstärkt. Ein Gefühl wie frisch verliebt zu sein in Mr Big und dann mit Horst Schlämmer zu schlafen.

(Fortsetzung folgt…)

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Endlich Flip Flops!

20 Mrz

Sonntag

Wann war noch mal Frühlingsanfang in Deutschland? Hamburg ist die schönste Stadt der Welt, vor allem im Sommer, aber die Temperaturen zu Jahresbeginn sind einfach erbärmlich. Da ist die Stadt selber schuld, wenn man ihr von Fuhlsbüttel aus den Rücken kehrt. 4 Stunden Flug und 40 Fahrtminuten im Mietpolo später haben wir Eimsbüttel gegen Puerto de Mogán getauscht. Auf der Strecke vom Flughafen zu unserem romantischen Hafenort taucht immer häufiger der Atlantik als malerische Kulisse auf. Die Luft ist lau und duftet nach Urlaub. Bucht für Bucht windet sich die Straße um die Felsen. Wir können Puerto de Mogán schon sehen, als wir noch etwa 15 Haarnadelkurven vom Ziel entfernt sind. Der Yachthafen mit seinem kleinen Leuchtturm liegt idyllisch am Fuße der felsigen Bucht.

Unser Hotel ist nicht zu übersehen, als wir in den Ort abbiegen. Mein: „Und wir sind übrigens da!“ klingt ein wenig erschrocken. Monströs klammert sich das Aparthotel Cordial Mogán Valle in den Berg, es ist zu breit für jedes Teleobjektiv und war daher im Internet aus vorteilhafteren Perspektiven abgebildet. Wir parken unseren weißen Polo in einem der auf dieser Insel anscheinend sehr beliebten Kreisverkehren vor dem Eingang und betreten die Lobby. Wir bekommen das Appartement 742 einschließlich einer bebilderten Wegbeschreibung durch die Anlage, die den Satz „we have 63 lifts“ enthält. Auf dem Weg zu unserem Zimmer verstehen wir diesen Hinweis. Das Hotel ist terrassenförmig in den Berg gebaut, so dass jeder Lift nur 3 Etagen schafft, nach denen wir in den nächsten, näher am Berg gelegenen Lift wechseln. Insgesamt drei Mal. Dann geht es einen langen Flur entlang, mit zwei schweren Taschen im Schlepptau gefühlte 547 m lang. Gepäckwagen? Das ist doch was für dekadente 5-Sterne-Bunker. Immerhin, das Appartement ist hell und freundlich (heißt: ohne psychedelische Blümchenmuster) eingerichtet und hat eine große Terrasse mit zwei bequemen Liegen. Wenn wir uns über die Brüstung beugen und den Kopf nach links drehen, können wir das Meer sehen. Zu weit nach links, und wir sehen unsere sich sonnende, leicht übergewichtige ältere Nachbarin im pinkfarbenen Bikini, in Position gebracht für minimale Bräunungsstreifengefahr. Schnell wieder nach rechts geguckt, Koffer ausgepackt und ab an den Hafen.

Nachdem wir den Ort durchquert und auch angesichts des traurig kargen Dorfplatzes sowie der obligatorischen, ebenso unzähligen wie überflüssigen Shops den Optimismus nicht verloren haben, erreichen wir das Schmuckstück von Puerto de Mogán, vielleicht sogar von ganz Gran Canaria. Cafés, Restaurants, Schmuckläden reihen sich vis-à-vis der hier vertäuten Boote und Segelyachten aneinander. Entzückende Häuschen mit kleinen Vorgärten und großartigen Dachterrassen begeistern den Betrachter – diese schnuckeligen Unterkünfte kann man mieten, wieso hat uns das keiner gesagt?! Wir flanieren weiter in Richtung Leuchtturm, drehen jedoch schließlich wieder um, denn der Weg ist viel weiter, als es zunächst scheint. Stattdessen bestellen wir zwei café con leche im Café de Mogán. Die Zuckertütchen zum Kaffee sind von tchibo – findet in diesem Örtchen etwa eine Art Cala-Ratjadaisierung statt? Um uns herum hören wir französisch, englisch, deutsch in recht bunter Mischung und mit der Kellnerin haben wir in einem spanisch-englischen Mischmasch geradebrecht. Geht also noch.

Wir gucken auf die Bötchen, lästern über vorbeischlendernde Touristen und genießen die beginnende Urlaubsatmosphäre. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, es ist so warm, dass wir uns einen Tisch im Halbschatten ausgesucht haben. Das erste Mal in diesem Jahr trage ich Flip Flops zu Rock und T-Shirt. Es wird noch ein wenig dauern, bis meine Füße mir diese Nummer abnehmen und die Angst verlieren, jeden Moment wieder in Socken und UGG Boots gesteckt zu werden, um dann auf eisigen, verschneiten Gehwegen herumzuschliddern. Aber der Anfang ist gemacht.

Die Ernüchterung erwischt uns beim Abendessen. Wir haben uns für die zweite „Schicht“ um 19.30 Uhr entschieden, da wir davon ausgehen, dass um diese Zeit kaum noch niedliche 2-jährige in Hochstühlen mit Nudeln um sich werfen und sich dementsprechend die Geräuschkulisse auf einem angenehmen Level bewegen wird. Damit lagen wir richtig, der Speisesaal ist relativ leer und ruhig. Doch die auf dem Buffet angebotene Auswahl motiviert eher dazu, diesen Urlaub unter das Motto „Fastenwandern“ zu stellen. Der Ausblick auf den Kreisverkehr macht die Sache nicht besser. Wir schaffen es dennoch, unseren Hunger zu stillen und verbringen den Rest des Abends in Decken gewickelt auf unserer Terrasse mit Blick in den Sternenhimmel.

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