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Endlich Flip Flops!

20 Mrz

Sonntag

Wann war noch mal Frühlingsanfang in Deutschland? Hamburg ist die schönste Stadt der Welt, vor allem im Sommer, aber die Temperaturen zu Jahresbeginn sind einfach erbärmlich. Da ist die Stadt selber schuld, wenn man ihr von Fuhlsbüttel aus den Rücken kehrt. 4 Stunden Flug und 40 Fahrtminuten im Mietpolo später haben wir Eimsbüttel gegen Puerto de Mogán getauscht. Auf der Strecke vom Flughafen zu unserem romantischen Hafenort taucht immer häufiger der Atlantik als malerische Kulisse auf. Die Luft ist lau und duftet nach Urlaub. Bucht für Bucht windet sich die Straße um die Felsen. Wir können Puerto de Mogán schon sehen, als wir noch etwa 15 Haarnadelkurven vom Ziel entfernt sind. Der Yachthafen mit seinem kleinen Leuchtturm liegt idyllisch am Fuße der felsigen Bucht.

Unser Hotel ist nicht zu übersehen, als wir in den Ort abbiegen. Mein: „Und wir sind übrigens da!“ klingt ein wenig erschrocken. Monströs klammert sich das Aparthotel Cordial Mogán Valle in den Berg, es ist zu breit für jedes Teleobjektiv und war daher im Internet aus vorteilhafteren Perspektiven abgebildet. Wir parken unseren weißen Polo in einem der auf dieser Insel anscheinend sehr beliebten Kreisverkehren vor dem Eingang und betreten die Lobby. Wir bekommen das Appartement 742 einschließlich einer bebilderten Wegbeschreibung durch die Anlage, die den Satz „we have 63 lifts“ enthält. Auf dem Weg zu unserem Zimmer verstehen wir diesen Hinweis. Das Hotel ist terrassenförmig in den Berg gebaut, so dass jeder Lift nur 3 Etagen schafft, nach denen wir in den nächsten, näher am Berg gelegenen Lift wechseln. Insgesamt drei Mal. Dann geht es einen langen Flur entlang, mit zwei schweren Taschen im Schlepptau gefühlte 547 m lang. Gepäckwagen? Das ist doch was für dekadente 5-Sterne-Bunker. Immerhin, das Appartement ist hell und freundlich (heißt: ohne psychedelische Blümchenmuster) eingerichtet und hat eine große Terrasse mit zwei bequemen Liegen. Wenn wir uns über die Brüstung beugen und den Kopf nach links drehen, können wir das Meer sehen. Zu weit nach links, und wir sehen unsere sich sonnende, leicht übergewichtige ältere Nachbarin im pinkfarbenen Bikini, in Position gebracht für minimale Bräunungsstreifengefahr. Schnell wieder nach rechts geguckt, Koffer ausgepackt und ab an den Hafen.

Nachdem wir den Ort durchquert und auch angesichts des traurig kargen Dorfplatzes sowie der obligatorischen, ebenso unzähligen wie überflüssigen Shops den Optimismus nicht verloren haben, erreichen wir das Schmuckstück von Puerto de Mogán, vielleicht sogar von ganz Gran Canaria. Cafés, Restaurants, Schmuckläden reihen sich vis-à-vis der hier vertäuten Boote und Segelyachten aneinander. Entzückende Häuschen mit kleinen Vorgärten und großartigen Dachterrassen begeistern den Betrachter – diese schnuckeligen Unterkünfte kann man mieten, wieso hat uns das keiner gesagt?! Wir flanieren weiter in Richtung Leuchtturm, drehen jedoch schließlich wieder um, denn der Weg ist viel weiter, als es zunächst scheint. Stattdessen bestellen wir zwei café con leche im Café de Mogán. Die Zuckertütchen zum Kaffee sind von tchibo – findet in diesem Örtchen etwa eine Art Cala-Ratjadaisierung statt? Um uns herum hören wir französisch, englisch, deutsch in recht bunter Mischung und mit der Kellnerin haben wir in einem spanisch-englischen Mischmasch geradebrecht. Geht also noch.

Wir gucken auf die Bötchen, lästern über vorbeischlendernde Touristen und genießen die beginnende Urlaubsatmosphäre. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, es ist so warm, dass wir uns einen Tisch im Halbschatten ausgesucht haben. Das erste Mal in diesem Jahr trage ich Flip Flops zu Rock und T-Shirt. Es wird noch ein wenig dauern, bis meine Füße mir diese Nummer abnehmen und die Angst verlieren, jeden Moment wieder in Socken und UGG Boots gesteckt zu werden, um dann auf eisigen, verschneiten Gehwegen herumzuschliddern. Aber der Anfang ist gemacht.

Die Ernüchterung erwischt uns beim Abendessen. Wir haben uns für die zweite „Schicht“ um 19.30 Uhr entschieden, da wir davon ausgehen, dass um diese Zeit kaum noch niedliche 2-jährige in Hochstühlen mit Nudeln um sich werfen und sich dementsprechend die Geräuschkulisse auf einem angenehmen Level bewegen wird. Damit lagen wir richtig, der Speisesaal ist relativ leer und ruhig. Doch die auf dem Buffet angebotene Auswahl motiviert eher dazu, diesen Urlaub unter das Motto „Fastenwandern“ zu stellen. Der Ausblick auf den Kreisverkehr macht die Sache nicht besser. Wir schaffen es dennoch, unseren Hunger zu stillen und verbringen den Rest des Abends in Decken gewickelt auf unserer Terrasse mit Blick in den Sternenhimmel.

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