Tiefenentspannt

10 Nov

Das Meer ruft. Wir können es von unserem Zimmer aus weder sehen noch rauschen hören, aber mich zieht es noch vor dem Frühstück nach draußen, während die anderen im Fitnessraum schwitzen beziehungsweise vom Außenpool aus Trainer Lukas beim AquaGym zuschauen. Ich ziehe meine Mütze tief ins Gesicht und laufe die Promenade ein Stück nach Süden. Grau und kalt liegt die Nordsee neben mir. Wir hatten schon bessere Momente zusammen. Ich drehe eine Runde durch den Ort und kehre zum Hotel zurück. Frühstück ist fertig. Wir bekommen einen Tisch direkt neben dem Kinderbuffet. Im Nebenraum gibt es von Waffeln über Müsli, Croissants und Brötchen bis zum frischen Rührei alles, wovon man nach einem Strandspaziergang träumen könnte. Bine mahlt eigenhändig Getreide über ihr Obst, ich schlürfe den Dinkel-Drink des Tages zum Marmeladencroissant. Ein hübscher Kellner bringt uns heißen Kaffee. Der Tag fängt gut an.

Das Meer bekommt noch eine Chance. Gina entschwindet zu ihrer Ayurveda Massage, der Rest von uns macht sich auf den Weg zum Strand. Ja, es gibt ihn, hinter dem Lister Hafen, kurz vor Dänemark, liegt der Oststrand. Sand unter den Füßen, na endlich. Maja springt mit ihren Gummistiefeln in die Brandung, neidisch sehen wir ihr dabei zu.

Joan schickt fleißig Bilder und Texte an den Mann ihres Herzens. Ich bemerke: gegen derart starke Fälle von Sehnsucht kann auch die salzigste Seeluft nichts ausrichten. Hätte ich mir denken können.

In der Panoramasauna genieße ich den Blick auf die Dünen, die Möwen und die tanzenden Nebelschwaden über dem Außen-Schwimmbecken. Das Holz knackt. Der Schweiß fließt. Die Zeit steht still. Wir kühlen uns auf der Terrasse ab, entspannen auf der Ruheliege, atmen Rosenduft im Laconium und ignorieren aus Badehosen quellende, behaarte Bierbäuche im osmanischen Dampfbad. Gina probt ihre Präsentation für Dienstag und genehmigt sich darauf eine Bloody Mary aus der Vital-Bar. Im mineralstoffreichen Algenbad mit Hydromassage dämmere ich 15 Minuten lang glücklich vor mich hin. „Du siehst total entspannt aus!“ lobt Joan mich anschließend. Kunststück an einem Tag wie heute. Ich schwimme ein paar Bahnen im Außenpool, in der kalten Luft weht salziger Wasserdampf um mein Gesicht. Kein Mensch weit und breit. Geistesabwesend lasse ich mich treiben, bis ich merke, dass Eileen oben am Fenster steht und mit meinem iPhone Fotos von mir macht. Na warte.

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