Archiv | November, 2012

Kuchen hilft immer

11 Nov

Gut vier Stunden später bin ich wieder wach und spüle unter der warmen Regendusche die Nacht von meinem Körper. Ein weiterer Wellnesstag mit Sauna, Dampfbad und Massage wäre heute genau das Richtige für meine müden, vergifteten Zellen. Leider müssen wir um 11 Uhr auschecken und das Hotel verlassen, denn im gesamten Gebäude stehen Bauarbeiten an. Zum Ausgleich döse ich unter dem Wasserstrahl noch ein Weilchen vor mich hin.

Nichts wirkt besser gegen Katerstimmung als ein deftiges Frühstück. Dazu der Drink des Tages, heute mit Walnuss – „Nahrung für das Gehirn“, sagt der kleine Zettel daneben. Die Sonne scheint und schreibt groß „Strandspaziergang!“ an den blauen Himmel. Wer will da noch in die Sauna! Ganz zu schweigen vom AquaGym. Den Kurs haben wir leider verpasst. Joan und Gina erzählen von ihrem nächtlichen Kartoffelsuppen-Intermezzo, ansonsten ist es ungewöhnlich ruhig an unserem Tisch.

Widerwillig packen wir unsere Sachen. Ich fühle mich rausgeschmissen. Es war doch eben erst Freitag, irgendwas stimmt mit der Inselzeit nicht. Ich vermute, bei Wochenend-Trips verhält sich das Zeitgefühl negativ proportional zur Personenanzahl. Aber dafür war es auch mindestens siebenmal so lustig…

Im Taxi auf dem Weg nach Kampen bewundern wir die Schönheit der Insel, die Friesenhäuser in den Dünen, die im Sonnenlicht glitzernden Wellen der Nordsee. Als wir in der Kurhausstraße aussteigen, rieche ich endlich das Meer. Wir gehen runter zum Strand, halten das Gesicht in die Sonne, spüren den Wind und hören die Wellen rauschen. Aspirin plus C ist ein Witz dagegen.

Ich könnte ewig so weiter laufen, immer Richtung Süden, der Sonne entgegen. Wir weichen ab und zu der Brandung aus, Schaumkronen wehen über den flachen Sand. Der Gedanke, dass dieses wunderschöne Stück Natur immer da ist – für jeden, der einen Spaziergang machen, seine Gedanken sortieren, im weichen Sand seine Pomuskeln trainieren oder melancholisch übers Wasser blicken möchte – während ich Tag für Tag im kalten Neonlicht meines Hamburger Großraumbüros bewegungslos auf den Bildschirm vor mir starre, lässt mich wieder einmal grundsätzlich am Sinn meines geregelten Alltags zweifeln. Zum Glück biegen wir am Roten Kliff in die Dünen ab, Richtung Kupferkanne auf der Wattseite der Insel, bevor ich auf dieser Gedankenspirale richtig in Fahrt komme. Kuchen! Kuchen hilft immer.

Rhabarber, Mohn, Apfel, Käse – wir probieren uns durch fast alle Sorten hausgemachten Blechkuchen, die heute in der Kupferkanne aus dem Ofen gezaubert wurden. Ich bin müde von letzter Nacht, vom Wind und dem Bewusstsein, dass dieses Wochenende sich viel zu schnell dem Ende zuneigt. Die Sonne steht tief am Himmel, jeder Grashalm sieht aus wie gemalt. Wir müssen zum Bahnhof. Während wir auf unseren Zug warten, lassen wir die Highlights der letzten Nacht noch einmal Revue passieren. Wir denken zurück an Hase, Bärchen, Nicky, Gaby und Kai und nehmen uns vor, zurück in Hamburg gleich mit der Planung unseres nächsten Ausflugs zu starten. Als wir über den Hindenburgdamm fahren, geht über der Nordsee langsam die Sonne unter. Passt irgendwie zur Stimmung.

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Syltnight out

10 Nov

Vom Bademantel in den Partydress in einer Stunde: Schon um 17.15 Uhr holt uns das Großraumtaxi ab, denn wir haben die frühe Schicht in der Sansibar – 20 Uhr war längst ausgebucht. Aber es ist ja zum Glück November, draußen ist es bereits stockdunkel. Das ist keine Übertreibung. In Hamburg gibt es keine völlige Dunkelheit, die Stadt und der Hafen schlafen nie und leuchten selbst um 2 Uhr nachts den Himmel an. Entlang der Lister Straße herrscht tiefschwarzes Nichts. In meinem Magen sieht es ähnlich aus, seit dem Frühstück habe ich außer einem Duplo und zwei von Maja auf der Zugfahrt plattgesessenen Giottos nichts gegessen.

Im weichen Kerzenlicht der Sansibar sehen wir noch rosiger und erholter aus, als wir es ohnehin sind. Vor dem Fenster wirken die per Scheinwerfer angestrahlten Dünen wie die sorgfältig inszenierte Kulisse eines ZDF-Sonntagsfilms. Noch besser als diese Aussicht gefallen mir die Vorspeisenvariationen, die Jenny uns serviert. Salate, frisches Brot, Wasabinüsse, dazu Rosé und Weißwein – auf einmal ist es sehr ruhig an unserem Tisch. Nach der Pasta zum Hauptgang (war da Knoblauch drin??) teilen Bine, Eileen und ich uns das hausgemachte Joghurteis mit karamellisierten Oliven und kämpfen mit vollem Mund um den letzten Löffel. Zum Glück verteilt Jenny zum Kaffee großzügig Zentis Mandel-Nougat-Happen. Sie rät uns, den Rest des Abends in Westerland zu verbringen, denn in Kampen sei ihrer Meinung nach eher so tote Hose. „Wollt ihr denn überhaupt noch los?“ fragt Eileen in die Runde. „Mädels, es ist halb Acht!“ antworte ich, vielleicht eine Spur zu empört. Wir einigen uns darauf, es entgegen Jennys Empfehlung in Kampen zu versuchen. Dann müssen wir auch schon los, die 20 Uhr-Schicht bildet bereits eine Schlange an der Tür.

Vor der Sansibar ist Stau. Unser Taxifahrer manövriert sich gekonnt aus dem Massenauflauf und dreht für uns die Musik etwas lauter. Seine Party-Mix-CD bringt Joan und Eileen auf den vorderen Plätzen so richtig in Stimmung. Das Musiktaxi ist nichts dagegen. Im Kampener Strönwai ist unsere Partylaune allerdings an der falschen Adresse – die ganze Straße ist eine einzige tote Hose. Das Pony ist noch geschlossen, im Rauchfang sitzen vereinzelt Gäste und hängen bei einem teuren Glas Wein still ihren Gedanken nach. Zum Glück steht unser Mustafa(hrer) noch neben seinem Taxi am Straßenrand, als hätte er es geahnt. Für 15 Euro kutschiert er uns zurück nach Westerland und feiert hinterm Lenkrad mit Joan und Eileen, als würde er nie etwas anderes tun.

Die Wunderbar hat noch geschlossen. Die vier Gäste des American Bistro gegenüber sitzen gerade beim Dessert, die Party mit DJ Farres geht erst später los. Die Blonde an der Bar wirkt nicht besonders erfreut, uns zu sehen. Vielleicht hätten wir nicht gleich fragen sollen, ob sie die Musik lauter drehen könne. „Dürfen wir bleiben?“ fragt Gina unterwürfig und bricht damit das Eis, das wenig später in unseren Gin Tonics klimpert. Ein Anfang. Gina besteht auf einer Runde Sambucca, ich versenke in ihrem ein Streichholz bei dem Versuch, den Drink zu flambieren. Für sie kein Problem. Das Zeug schmeckt schließlich so oder so nicht.

Joan und Gina eröffnen die Tanzfläche. Eine gute Stunde später ist der Laden gerammelt voll. Auch für die meisten von uns ist diese Bezeichnung nicht ganz unzutreffend. Ich glaube, es begann in dem Moment, als Fenja (wir dürfen sie Gaby nennen) die beeindruckende, aus ca. 17 LEDs bestehende Discobeleuchtung über dem Tresen einschaltete und eine Runde Kurze für uns schmiss. Ihr niedlicher  Kollege Nicky (oder eigentlich Ricky, wie uns später Türsteher Kai erklärt, der in Wirklichkeit Erik heißt) legt noch drei Schokobons obendrauf. „Wir sind sieben“, mache ich ihm den Ernst der Lage deutlich. Er grinst und schlägt vor, dass Jana und ich uns einen Schokobon teilen. Mit den Händen auf dem Rücken, versteht sich. Seine Augen leuchten gierig. Wir tun ihm den Gefallen. Die Nummer mit dem Nimm2-Kaubonbon, den er als nächstes unter der Theke hervorzaubert, ist Jana allerdings eine Spur zu heiß. „Wir müssen morgen früh zum AquaGym“, entschuldige ich das Ausbleiben der erhofften Vorstellung, frei von jeglicher Logik. Nicky aka. Ricky hält das für einen guten Witz. „Der steht auf dich“, raunt Maja mir ins Ohr. Ich brauche frische Luft.

Joan und Gina gehen rauchen. Ich bin betrunken genug für eine Zigarette und halte diese für einen guten Grund, mich etwas abzukühlen. Kai-Erik verbietet uns, Gläser mit nach draußen zu nehmen, verrät uns aber dann, dass wir selbstverständlich gern auf der Terrasse neben dem Eingang Kippen und Drinks konsumieren dürfen. Von dort beobachten wir das auf der Paulstraße vorbeiziehende Partyvolk und überzeugen zwei zunächst skeptisch blickende Herren im Anzug, dass das Bistro heute Abend the place to be ist. Ich taufe die beiden Hase und Bärchen. „Wir heißen alle Nicole“, stelle ich uns drei vor.

Die Luft auf der Tanzfläche erinnert mich ans osmanische Dampfbad. Das tropische Klima hält uns allerdings nicht vom Tanzen ab. Eileen ist mit zwei blaukarierten Hemden ins Gespräch vertieft, Hase und Bärchen checken ab, welche von uns sieben Nicoles – wenigstens für heute Nacht – noch zu haben ist. Fazit: keine. Hase (oder Bärchen?) verrät Gina trotzdem: „Jede von euch hat etwas Besonderes.“ Whatever that means, Hase…

Einen Kurzen und zwei Gin Tonics später steigen fünf von uns ins Taxi, Eileen und ich bleiben noch ein Weilchen an der Bar mit BigC, einem Möbeldesigner aus Köln. BigC möchte heute Abend unbedingt noch knutschen. Ich dulde seinen Arm um meine Taille, drehe ihm aber freundlich mein Ohr zu, als sein Kopf sich meinem Gesicht nähert. Er überreicht uns seine Visitenkarte, die Eileen ihm augenzwinkernd wieder in die Hemdtasche steckt. Er versteht und verabschiedet sich. Vielleicht geht heute Nacht auf Sylt noch was für BigC.

„Mustafa verfolgt unser Taxi!“ whatsappt Bine mir. Das nun auch noch. Es ist Zeit für uns zu gehen. Der niedliche Nicky gibt uns einen letzten Schokobon mit auf den Weg und wünscht uns viel Spaß beim AquaGym. Im Taxi überlegen wir, noch im Pony vorbei zu schauen, sind uns dann aber doch einig, dass dieser Abend nicht mehr zu toppen ist. Wir schießen ein Erinnerungsfoto in der Hotellobby und fallen mit geputzten Zähnen ins Bett, wie es sich für brave Mädchen gehört.

Tiefenentspannt

10 Nov

Das Meer ruft. Wir können es von unserem Zimmer aus weder sehen noch rauschen hören, aber mich zieht es noch vor dem Frühstück nach draußen, während die anderen im Fitnessraum schwitzen beziehungsweise vom Außenpool aus Trainer Lukas beim AquaGym zuschauen. Ich ziehe meine Mütze tief ins Gesicht und laufe die Promenade ein Stück nach Süden. Grau und kalt liegt die Nordsee neben mir. Wir hatten schon bessere Momente zusammen. Ich drehe eine Runde durch den Ort und kehre zum Hotel zurück. Frühstück ist fertig. Wir bekommen einen Tisch direkt neben dem Kinderbuffet. Im Nebenraum gibt es von Waffeln über Müsli, Croissants und Brötchen bis zum frischen Rührei alles, wovon man nach einem Strandspaziergang träumen könnte. Bine mahlt eigenhändig Getreide über ihr Obst, ich schlürfe den Dinkel-Drink des Tages zum Marmeladencroissant. Ein hübscher Kellner bringt uns heißen Kaffee. Der Tag fängt gut an.

Das Meer bekommt noch eine Chance. Gina entschwindet zu ihrer Ayurveda Massage, der Rest von uns macht sich auf den Weg zum Strand. Ja, es gibt ihn, hinter dem Lister Hafen, kurz vor Dänemark, liegt der Oststrand. Sand unter den Füßen, na endlich. Maja springt mit ihren Gummistiefeln in die Brandung, neidisch sehen wir ihr dabei zu.

Joan schickt fleißig Bilder und Texte an den Mann ihres Herzens. Ich bemerke: gegen derart starke Fälle von Sehnsucht kann auch die salzigste Seeluft nichts ausrichten. Hätte ich mir denken können.

In der Panoramasauna genieße ich den Blick auf die Dünen, die Möwen und die tanzenden Nebelschwaden über dem Außen-Schwimmbecken. Das Holz knackt. Der Schweiß fließt. Die Zeit steht still. Wir kühlen uns auf der Terrasse ab, entspannen auf der Ruheliege, atmen Rosenduft im Laconium und ignorieren aus Badehosen quellende, behaarte Bierbäuche im osmanischen Dampfbad. Gina probt ihre Präsentation für Dienstag und genehmigt sich darauf eine Bloody Mary aus der Vital-Bar. Im mineralstoffreichen Algenbad mit Hydromassage dämmere ich 15 Minuten lang glücklich vor mich hin. „Du siehst total entspannt aus!“ lobt Joan mich anschließend. Kunststück an einem Tag wie heute. Ich schwimme ein paar Bahnen im Außenpool, in der kalten Luft weht salziger Wasserdampf um mein Gesicht. Kein Mensch weit und breit. Geistesabwesend lasse ich mich treiben, bis ich merke, dass Eileen oben am Fenster steht und mit meinem iPhone Fotos von mir macht. Na warte.

Pack die Bommelmütze ein

9 Nov

Bikini, Badelatschen und Bommelmütze fliegen als erstes in meine Reisetasche. Damit habe ich die wichtigsten Utensilien für unser Wellness-Wochenende auf Sylt zusammen. Kein Dünenspaziergang ohne Kopfbedeckung, das Wichtigste immer zuerst einpacken – so viel habe ich gelernt. Natürlich ist die Tasche am Ende so voll, dass ich fast zusammenbreche, als ich mich auf den Weg zum Bus mache. Joan hat ihre Mütze schon auf, fast wäre ich an ihr vorbei gelaufen. So früh am Morgen spreche ich normalerweise auch noch gar nicht, aber Joan hatte über Nacht Männerbesuch und wir analysieren kurz den aktuellen Zustand ihrer Nicht-nur-eine-Affäre-aber-auch-noch-keine-richtige-Beziehung-es-ist-halt-kompliziert-Geschichte. Ich verspreche ihr, dass es in solchen Situationen nichts Besseres gibt, als sich auf der Insel den Wind um die Nase und durch die strapazierten Gehirnwindungen pusten zu lassen.

Am Altonaer Bahnhof treffen wir Bine und Gina, versorgen uns mit Kaffee und Bagels und richten uns für die nächsten vier Stunden in der Nord-Ostsee-Bahn ein. Es gibt viel zu erzählen. Erst in Niebüll werden wir langsam ungeduldig. Wegen Bauarbeiten steht der Zug hier gut vierzig Minuten, bevor es endlich weiter geht. Die Nordsee zeigt sich heute grau und distanziert, matschiges Watt säumt den Hindenburgdamm. Es riecht nicht nach Meer, als wir in Westerland aus dem Zug steigen. Die Buslinie 1 bringt uns nach List. Das Grand SPA Resort A-ROSA Sylt liegt vor uns wie eine Festung. Zu Fuß passieren wir die porsche- und jaguarverwöhnte Schranke, die für uns nicht mal eine Augenbraue hebt. Der Pförtner empfängt uns jedoch überaus freundlich, vor dem Eingang nehmen uns zwei adrette Herren das schwere Gepäck ab. Wir taufen sie Wladimir und Vitali. In der Lobby steht ein flauschiges graues Sofa, eingerahmt von unzähligen Windlichtern mit dicken weißen Kerzen. Hinter der nächsten Tür flackert ein riesiger gläserner Kamin im Barbereich. Wellness für meine Augen. Wir schweben zu unseren Zimmern im zweiten Stock und rüsten uns für unseren ersten Spaziergang am Meer.

Als wir um die Ecke zur Strandpromenade biegen, fegt uns der Wind fast die Mützen vom Kopf. Die Bezeichnung Strand scheint für den steinigen Sandstreifen unterhalb der gepflasterten Promenade etwas übertrieben, aber vor uns liegt das Meer. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir den Lister Hafen.

Mit einem Fischbrötchen im Bauch sind wir bereit für die erste Wellness-Einheit. Als Gina und ich in weiße Frottee-Bademäntel gehüllt bei Bine und Joan an die Tür klopfen, wundere ich mich über den Rollwagen mit weißen Orchideen auf dem Flur. Ein weiterer adrett gekleideter Herr, der uns freundlich zunickt, scheint einen floralen Auftrag zu haben. Wir schlüpfen ins Zimmer und warten, bis Joan ihren Bikini zurechtgerückt hat. Noch während sie im Bad ist, klopft es an der Tür. Bine öffnet. „Entschuldigen Sie, ich würde gern nach Ihrer Orchidee sehen, wenn es gerade passt“, erklärt ihr der Herr vom Flur. Bine gibt die Frage weiter an Joan. „Ja, gerne!“ höre ich aus dem Bad. Joan kommt im Bikini zurück ins Zimmer, gefolgt vom Orchideenbändiger und seiner Gießkanne. Er marschiert an uns vorbei zum Couchtisch, hebt die Orchidee aus ihrem Topf und begutachtet sie. Noch bevor wir etwas sagen können, ist er wieder verschwunden. Ich bin kurz sprachlos, doch Gina bricht das Schweigen. „Was war das denn gerade? Musstet ihr euch auch so zusammenreißen, um nicht laut loszulachen?“ Wir stimmen ihr zu. Vier Mädels in Bademänteln auf einem Zimmer und ein junger Page, der just in diesem Moment nach der Orchidee schauen muss – das klingt nach einem schlechten Pornofilm. „Was wollte er denn überhaupt mit der Orchidee?“ fragt Gina. „Na ja, er wollte schauen, wie feucht sie ist!“ antworte ich. Unser Running Gag fürs Wochenende steht damit fest.

Der Blick aus der Panoramasauna in die Dünen wirkt beruhigend. Wie alles im SPA-ROSA. Der beleuchtete Pool, die gepolsterten Liegen und Sitzmuscheln vor den Fenstern auf der Galerie, die Wendeltreppe zu den Massageräumen. Dort oben bekomme ich nach dem ersten Saunagang die bisher beste Massage meines Lebens. Die „Wohlfühlexpertin“ widmet sich hingebungsvoll meinem Rücken und spürt alle Knurpschpunkte auf, die besondere Aufmerksamkeit brauchen. Ich bin Wachs in ihren Händen. Mein Rücken würde selig lächeln, wenn er könnte. Im Ruheraum dämmere ich anschließend mit einer Tasse grünem Tee vor mich hin, genieße die Stille, die Wärme und die flauschige Decke, die über allen meinen Gedanken liegt.

In der finnischen Sauna gibt es einen Aufguss mit Salzpeeling. Der Zeremonienmeister flutet den Raum mit ätherischen Ölen und wedelt uns so engagiert an, dass meine Arme schon vom Zuschauen lahm werden. Die Limetten-Salz-Mischung, die wir zwischen zwei Aufgüssen auftragen, macht die Haut weich wie eine Orchideenblüte.

Gegen 20 Uhr treffen auch Eileen, Maja und Jana ein, die eine leicht verstörende Fahrt im Musiktaxi hinter sich haben. Es ist Zeit für eine deftige Mahlzeit. Bei Gosch bekommen wir den Stammtisch an der Bar und stimmen uns bei Thainudeln, Hummersuppe und Prosecco auf unser Mädelswochenende ein. Für heute Abend lassen wir es ruhig angehen und bleiben unter uns. Allein der augenscheinlich zahnlose Herr mittleren Alters vom Ecktisch hinter uns, der sich mehrfach zwischen der Bar und Maja und Jana hindurch quetscht, um seiner Nikotinsucht zu frönen, stört die Idylle. Der direkte Körperkontakt mit seinem ausladenden Bierbauch, begleitet von entschuldigenden Gesten, die man auch als Grabschen bezeichnen könnte, ist das Gegenteil einer Wohlfühlbehandlung. Für solche Fälle sollte es Oberteile mit Stacheln auf dem Rücken geben.

Der Wind weht uns zurück ins Hotel. Wir freuen uns jetzt schon auf das Frühstück. Eileen und ich lachen uns in den Schlaf. Keine von uns könnte erklären, was eigentlich so lustig ist. Ihr Anti-Allergie-Microfaser-Schnarch-Präventions-Schlafsack lässt mich auf eine ruhige Nacht hoffen. Müde vom Lachen, müde vom Wind, gespannt auf den nächsten Tag schlafe ich ein.

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